Sächsischer Witz und Dichterkraft – Herausgegeben von Tom Pauls & der Ilse-Bähnert-Stiftung. Hier erhältlich im Theaterlädchen!
Tom Pauls mit dem »Lene-Voigt-Magazin«
Anlässlich der Eröffnung unseres aufgefrischten Lene-Voigt-Kabinetts – im ersten Obergeschoss des Theaters – gibt die Ilse-Bähnert-Stiftung dieses Magazin heraus. Denn die Dichterin ist eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für meine Figur der Ilse Bähnert und den sächsischen Charme auf unserer Bühne.
Was erwartet Sie auf 16 Seiten im Magazin?
über 30 Fotos und Originaltitelseiten
35 Gedichte und Texte von Lene Voigt
Lebensdaten und Werkverzeichnis
Dazu ein exklusives Lene-Voigt-Kreuzworträtsel, zehn Illustrationen des Dresdner Zeichners Holger Friebel und als extra Zugabe: Acht sächsische Witze aus meinen Programmen – vom Feinsten!
Vorhang auf also auch für dieses Lene-Voigt-Magazin!
Neben diversen Lieblingsgedichten möchte ich Ihnen besonders einige dem Leipziger Milieu gewidmeten Texte von Lene Voigt ans Herz legen. Denn auch meine Kindheit in dieser Stadt verbindet mich sehr mit ihr.
Es sind neben den großen »Glassiggern« die kleinen Dinge des Lebens, die Lene Voigt für uns humorvoll in sächsische Worte setzt: »Schmidts Karnickel«, »Mei Goldfisch«, den »Dackel« und natürlich die »gleene Gogosbalme« …
Literarisch-sächsisches Vergnügen – mit »Heeßem«!
Genießen Sie bei einem »Schälchen Heeßen« ausgewählte Texte und lassen Sie sich von ihrem Schicksal bewegen.
Das lange und gut gehütete Geheimnis ist endlich gelüftet. Aus über 2.000 Einsendungen ist der Begriff »Hudelei!« zum Sächsischen Wort des Jahres 2024 erkoren worden. Es bedeutet ins Hochdeutsche übersetzt: Schlamperei, Misere, unglückliche Situation, Dilemma, Schlamassel, Schererei oder Schwierigkeit(en).
Gut gelaunte Gastgeber: Tom Pauls und Peter Ufer; Foto: PR
Verkündet wurde dieses ausgesprochene Wortschätzchen, wie manch spitzfindiger Zeitgenosse vielleicht meinen könnte, passend zum 34. Tag der Deutschen Einheit. Und das nicht irgendwie und irgendwo. Sondern stilecht und würdig im Rahmen einer vor Wortwitz, Idiom-Feuerwerk und Musik strotzenden Gala im Boulevardtheater Dresden.
Die Initiatoren um Tom Pauls und Peter Ufer präsentierten und besangen das erwählte Wort und brachten, gemeinsam mit Moderator Andreas Berger, ihren Kabarettkolleginnen und -kollegen Kathy Leen, Mandy Partzsch, Peter Kube und Jürgen Haase sowie dem Pianisten Holger Miersch, das restlos ausverkaufte Theater zum heiteren Beben und prustenden Lachen.
Zum 250. Geburtstag soll das Grab des Malers Caspar David Friedrich restauriert und der große Künstler mit einem Grabdenkmal gewürdigt werden.
Die Grabplatte ist verwittert, teils mit Flechten bewachsen. Die Schrift ist kaum noch zu entziffern. Regen und Frost zehren an der unscheinbaren Begräbnisstätte Caspar David Friedrichs (1774 – 1840). »Hier wollen wir etwas tun«, sagt der Schauspieler und Kunstsammler Tom Pauls. »Für einen international derart bekannten Maler befindet sich dessen Grab in einem erbarmungswürdigen Zustand. Meine Stiftung und ein neuer Freundeskreis werden ab jetzt Spenden sammeln.«
Das Medieninteresse am Grab wächst: Wenn 2024 der 250. Geburtstag Caspar David Friedrichs gefeiert wird, soll seine letzte Ruhestätte einen würdigen Ort des Gedenkens bilden.
Der »Freundeskreis Caspar David Friedrich«
Tom Pauls und die Ilse-Bähnert-Stiftung riefen den »Freundeskreis Caspar David Friedrich« ins Leben. Am 7. Mai – dem Todestag des Malers – lud Tom Pauls ins Peter-Ulrich-Haus nach Pirna zur Gründung des Freundeskreises ein. Eingeleitet von einem Grußwort der Dresdner Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch stellten die Journalisten Sibylle Muth und Mario Süßenguth zunächst facettenreich Leben und Wirken Friedrichs vor, der auch als Dichter und Schriftsteller wirkte. Ein Vortrag von Frank Richter widmete sich vor allem den Bezügen im Werk Friedrichs zur Sächsischen Schweiz.
Der Restaurator Dirk Böhme erläuterte seinen Entwurf für ein Grabmonument für Friedrich, in dem sich eine Eule – Vogel der Weisheit und des Todes und ein gotisches Fenster – beides von Friedrich oft gemalte Motive – begegnen. Auch Friedhofsleiterin Beatrice Teichmann betonte, dieses Projekt »mit Feuer und Flamme« zu unterstützen.
Diplomrestaurator Dirk Böhme, Friedhofsleiterin Beatrice Teichmann und Stifter Tom Pauls (von links) Ende April 2023 am Grab Caspar David Friedrichs auf dem Dresdner Trinitatisfriedhof in Johannstadt
Bewilligte Förderung des Stadtbezirksbeirats Dresden-Altstadt
Bereits zwei Tage später, am 9. Mai, stimmte der Stadtbezirksbeirat Dresden-Altstadt fast einstimmig für das Projekt und bewilligte eine Förderung in Höhe von 33.000 Euro. Damit ist die Finanzierung des Projektes, das rund 40.000 Euro kosten wird, zum größten Teil gesichert. Für die noch offene Summe werden Spenden eingeworben.
Stifterbrief wird angeboten
Der von Mario Süßenguth aus diesem Anlass gestaltete Stifterbrief – auf edlem Büttenpapier, illustriert mit einer Grafik des Künstlers, die den berühmten Blick aus seinem Atelierfenster auf Dresden zeigt und versehen mit der geprägten handschriftlichen Faksimile-Unterschrift von Caspar David Friedrich – ist ab 1.000 Euro erhältlich bei der Ilse-Bähnert-Stiftung. Der Brief ist limitiert auf 25 Exemplare. Wenn mehr Mittel als benötigt gespendet werden, kommen diese im »Romantiker-Jahr« 2024 weiteren Künstler-Gräbern zugute.
250 Jahre Caspar David Friedrich und das erbarmungswürdiges Künstlergrab
Von Mario Süßenguth
Mit Bildern wie »Der Mönch am Meer«, »Zwei Männer in Betrachtung des Mondes« oder »Kreuz im Gebirge« revolutionierte Caspar David Friedrich vor über zwei Jahrhunderten die Malerei. Ostsee- und Hafenbilder, aber auch die Felsen in Sachsen faszinierten ihn als Motive. Die längste Zeit seines Lebens verbrachte Friedrich in Dresden. Dort starb er, dort liegt er begraben. Kurz vor dem 250. Geburtstag im nächsten Jahr soll jetzt das Grab des Romantikers neu erweckt werden. Dafür machen sich der Schauspieler, Kabarettist und Kunstsammler Tom Pauls und seine Stiftung stark. Gemeinsam mit einem Freundeskreis soll die Sanierung und Aufwertung der letzten Ruhestätte Caspar David Friedrichs in Gang gebracht werden. Bis zum 250. Geburtstag des frühromantischen Künstlers im nächsten Jahr sollen die bisherige Grabplatte restauriert und die Anlage um ein Denkmal erweitert werden.
Die Grabplatte aus Sandstein ist schwarzverwittert, teils mit Flechten bewachsen. Zwei kleinere Tafeln links und rechts sind kaum noch zu entziffern. Regen und Frost zehren an der baulich unscheinbaren Begräbnisstätte Caspar David Friedrichs (1774 – 1840). »Hier wollen wir etwas tun«, sagt der Schauspieler und Kunstsammler Tom Pauls. »Für einen international derart bekannten Maler befindet sich dessen Grab in einem erbarmungswürdigen Zustand. Meine Stiftung und ein neuer Freundeskreis werden ab jetzt Spenden sammeln.« Die aktuelle Grabfassung entstand um 1930. Erst in den späten 1920er Jahren hatten zwei Heimatforscher die Stelle wiederentdeckt, an der Friedrich im Mai 1840 beerdigt worden war – nur noch mit überwucherten Überresten der historischen Bebauung.
»Die Stelle des Grabes ist durch Akten belegt«, betont Friedhofsleiterin Beatrice Teichmann. In ihr haben Tom Pauls und sein Unterstützerkreis eine von dieser Idee überaus begeisterte Frau gefunden. »Seit unserem ersten Treffen hier am Grab bin ich mit großer Lust und Leidenschaft dabei«, so Frau Teichmann.
Der Trinitatisfriedhof im Dresdner Stadtteil Johannstadt musste wegen der übergroßen Zahl von Toten aus den Napoleonischen Kriegen angelegt werden. Um 1815 erfolgte hier die erste Bestattung. Für Caspar David Friedrich war dies auch ein Ort der Motivfindung. Das Eingangstor findet sich im unvollendeten Gemälde »Friedhofseingang« aus dem Jahr 1825 wieder, hängt jetzt in der Dresdner Galerie Neue Meister.
Noch dieses Jahr sollte Caspar David Friedrichs Grab zur Baustelle werden. Für die Restaurierung der Anlage müssen die Steine angehoben und frisch begründet werden. Nächstes Jahr könnte das neue Denkmal folgen. Künstlerisches Vorbild: ein gotisches Fenster-Motiv aus Friedrichs Spätwerk, etwa »Der Träumer« oder »Eule im gotischen Fenster«. Stifter Tom Pauls: »Wenn alles so klappt wie wir uns das wünschen, dann weihen wir das instand gesetzte Grab und das neue Denkmal am 5. September 2024 ein – dem 250. Geburtstag Caspar David Friedrichs.«
Tom Pauls mit zwei Motivvorlagen für das geplante neue Denkmal am Grab von Caspar David Friedrich, einmal „Der Träumer“ (rechts) und „Eule im gotischen Fenster“, beides Spätwerke des Malers der Frühromantik
Für Pauls, den leidenschaftlichen Sachsen mit Herzblut, ist noch eine weitere Tatsache aller Verbreitung wert. »Ich habe in einem Brief des Malers an seinen König ein flammendes Bekenntnis zu seiner Wahlheimat entdeckt«, sagt der Schauspieler und zitiert aus dem Schriftstück von 1816: »So sind Sachsen mein zweites Vaterland und seine Bewohner meine geliebten Landsleute geworden.« Der eigentlich in Greifswald geborene und der Ostseeküste stets zugewandt Caspar David Friedrich schreibt weiter, er wünsche sich nunmehr, mit 41 Jahren, für immer hier zu bleiben und »als Sachse zu leben und zu sterben«.
Nachheeme gehds redour – die Suche nach dem beliebtesten sächsischen Wort des Jahres startet wieder. Das Reisen spielt dabei eine besondere Rolle.
Gesucht: Das sächsische Wort des Jahres 2021; Bild: MDR
Sächsinnen und Sachsen lieben das Reisen. Sie wären am liebsten immer unterwegs, wenn es denn gehen würde. Die Weltenbummler haben für das Unterwegssein ihre ganz speziellen Vokabeln. Wenn sie starten, dann sagen sie zum Beispiel: »Mir wärn ma fordmachn«, »ma naus machn« oder »uns off dä Sockn machn«. Das Fernweh quält schon viel zu lange ihre Seelen. Allerdings weiß auch jeder hier, dass die Sachsen die einzigen Menschen auf der Welt sind, die schon Daheeme Heimweh haben.
Jetzt, wo alle zu Hause bleiben müssen, ist die Vorfreude um so größer, wenn das Reisen irgendwann wieder möglich sein wird. Der Bewegungsdrang ist unermesslich und äußert sich im Wortschatz. So heißt es hier: »Mir rammln los«. Wobei rammln in dieser Sprachlandschaft nichts weiter bedeutet, als schnell laufen oder wandern. Sächsinnen und Sachsen wollen sich im Urlaub etwas ansehen, also angucken. Ganz wichtig, sehen, gucken, glotzen, gaffen, lunzen nicht schauen. Das Schauen ist ein Importwort. In Franken, Bayern und Österreich da schauen die Menschen. Aber in Sachsen sieht man durch. Sachsen ist sehenswert, hier befinden sich massenhaft Sehenswürdigkeiten. Von Schauenswürdigkeiten hat hier noch nie jemand etwas gehört und erst recht nicht gesehen.
Gerade weil die Reisefreiheit eingeschränkt ist, müssen wir darüber reden. Deshalb sucht die Jury für das »Sächsische Wort des Jahres« ab sofort nicht nur die bedrohte, die schönste und die beliebteste sächsische Vokabel des Jahres, sondern auch spezielle Wörter, die das Reisen beschreiben. Die Ilse-Bähnert-Stiftung, MDR-Sachsen und Sächsische Zeitung starten ab sofort die Suche danach.
Bis Ende Juni läuft die Aktion und am 3. Oktober werden die Siegerwörter verkündet.
Das sächsische Wort des Jahres wird seit 2008 gekürt. Ziel der Aktion ist es, aussterbende sächsische Wörter zu retten, die Sprache der Sachsen zu pflegen, ihr Wohlklang in das Bewusstsein zu bringen und die Mundart als wichtiger Teil der deutschen Sprache zu fördern.
Übrigens wäre für das Reise ein sächsisches Navigationssystem im Auto schön. Das Gerät verrät dann mundartgerecht, wo es gleich lang geht. Es ruft richtungsweisend: »Rechds niebr, links niebr« oder: »eefach gradezu«. Gradezu ist übrigens nicht nur eine Fahrtrichtung, sondern kann auch eine sächsische Charaktereigenschaft sein. Das Sachsen-Navi warnt selbstverständlich ebenso vor einem Stau und ruft im Fall eines im Gebirge drohenden hohen Fahrzeugaufkommens: »Noffzus is immrzu zu.« Die Warnung vor sogenannten Stop-and-Go-Verkehr in der Gegenrichtung lautet: »Nundrzu is ab und zu zu.« Und wenn sich die Frage stellt, wie man wieder nach Hause kommt, dann antwortet der elektronische Orientierungsberater: »Nachheeme gehds redour.« Das heißt so viel wie: »Nach Hause fahren Sie einfach die selbe Strecke zurück.«
Senden Sie uns Ihre Wörter!
Sollten Sie jetzt inspiriert sein, ihre sächsischen Wortfavoriten einzusenden, so schicken sie die Vokabeln an die Sachsen-Wort-Jury, der unter anderem Schauspieler Tom Pauls, MDR-Sachsen-Redakteur Andreas Berger sowie Mitglieder der Leipziger Lachmesse angehören.
Auch in diesem Jahr suchen wir wieder Ihre liebsten Sächsischen Wörter. Diesmal können Sie uns bis zum 30. Juni 2020 auch sächsische Gemütswörter schicken. Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge.
Wir suchen wieder das bedrohte, schönste sowie beliebteste Sächsische Wort. Zudem ist die Jury in diesem Jahr auch auf der Suche nach sächsischen Gemütswörtern, die umschreiben, wie der Sachse sich fühlt, wie es ihm geht – gägsch vielleicht oder dürrwänsdsch. Wir wollen wissen, wie die Sachsen das innerliche Unwohl- oder Wohlfühlsein beschreiben. Denn auch für den Seelen- und Gemüts-Zustand der Sachsen gibt es ein großartiges, unverwechselbares Vokabular.
Am 3. Oktober werden dann zum dreizehnten Mal die Sächsischen Wörter des Jahres durch die Ilse-Bähnert-Stiftung, die »Sächsische Zeitung« und MDR Sachsen gekürt. Einsendeschluss ist der 30. Juni 2020.
Gesucht: Das sächsische Wort des Jahres 2020
Rettung der sächsischen Mundart
Seit 2008 kürt die Ilse-Bähnert-Stiftung die Sächsischen Wörter des Jahres. Sinn der Aktion ist es, aussterbende sächsische Wörter zu retten und die sächsische Mundart als wichtigen Teil der deutschen Sprache zu fördern.
Jährlich kürt eine Jury die Sächsischen Wörter des Jahres. Als Mitglieder sitzen Kabarettist Tom Pauls, Journalist Peter Ufer und MDR-Sachsen-Moderator Andreas Berger seit vielen Jahren im Gremium. Auch Germanisten der Technischen Universität Dresden prüfen, ob die jeweiligen Wörter mitteldeutschen Ursprungs sind und als spezifisch sächsische Vokabular gelten.
Der Schauspieler und Kabarettist Tom Pauls (* 1959 in Leipzig) präsentiert jetzt eine literarische Hommage an die sächsische Dichterin und Überlebenskünstlerin Lene Voigt (* 1891 in Leipzig als Helene Wagner; † 1962 ebenda). Mit seiner Romanbiografie »Meine Lene – Eine Liebeserklärung an die Dichterin Lene Voigt« legt er eine literarische Hommage vor.
In einer Lesung stellte Tom Pauls das Werk im Pirnaer Peter-Ulrich-Haus gemeinsam mit dem Autor und Journalisten Peter Ufer vor. Gelesene Auszüge aus dem Buch und einzelne Gedichte untermalte Geiger Florian Mayer musikalisch. Mit dem Buch und der begleitenden Ausstellung im Theater verneigt sich Tom Pauls vor der Schriftstellerin und Dichterin und will »ihr ein Denkmal setzen«.
Ausstellung »Meine Lene« im Peter-Ulrich-Haus Foto: Daniel Förster
Tom Pauls hat Lene Voigt, die das Sächsische zelebrierte, viel zu verdanken. Er hat ihren »Glassiggern« zu einer Renaissance verholfen. In den 1990er Jahren nahm er sich ihrer Texte an. Seitdem gehört er zu den besten Interpreten ihrer Literatur, ihrer Mundartgedichte, Lieder und Sketche und ihres hintersinnigen sächsischen Witzes. Er hat ihre Figur, die renitente Rentnerin Ilse Bähnert, lebendig gemacht, auf die Bühne und ins Fernsehen gebracht. Sachsens gewitzteste Witwe ist inzwischen Kult, die Bähnerten wurde zum Inbegriff des sächsischen Humors.
Wohl haben sich auch die Familiengeschichten von Tom Pauls und Lene Voigt gekreuzt. Als junger Mann fand Pauls Texte – Oktavhefte mit Gedichten und Miniaturen – der Dichterin im Bücherregal seiner Urgroßmutter. Seine Uroma und Lene Voigt sind sich womöglich in der Heilanstalt im Park-Krankenhaus Leipzig-Dösen begegnet. Nur wenige Kilometer entfernt steht das Elternhaus von Tom Pauls.
In den 1920er und 1930er Jahren hat Lene Voigt den sächsischen Humor populär gemacht. In ganz Deutschland lachte man über den Witz ihrer hintersinnigen Verse in bestem Sächsisch, mit dem sie sich aber vor allem in die Herzen der Sachsen schrieb. Keiner formte wie sie deutsche Klassiker so gut in Mundart. Die Nationalsozialisten verunglimpften das Sächsische Lene Voigts als »unheldisch und jüdisch« und verboten es 1936 als einzige deutsche Mundart. Der Dichterin wurde eine »Verschandelung« der deutschen Klassiker vorgeworfen. Auch in Ulbrichts DDR waren Parodien im sächsischen Dialekt offiziell nicht erwünscht. Lene Voigt geriet in Vergessenheit. Gram über ihr Schicksal führte sie in die Nervenheilanstalt.
Lene Voigts privates Leben wurde von Kummer, Elend und Schmerz geprägt. Es ist ein Frauenschicksal zwischen Kaiserreich, Nazidiktatur und DDR. Seit ihrer Kindheit verfolgten sie tragische Schicksalsschläge. Sie verlor ihr Kind, ihre Ehe scheiterte, ihr Liebhaber starb. Sie floh aus Sachsen nach München, Bremen und Berlin, landete später in der Psychiatrie, die sie, obwohl genesen, in der DDR nicht mehr verließ. Das Schreiben, ihre heiteren und optimistischen Verse, mit denen sie sich immer wieder auf die Seite der Schwachen stellt, gab ihr immer wieder Lebensmut. Es war ein »Überleben mit Humor«. Eine von Tom Pauls und Peter Ufer entdeckte Krankenakte macht die Tragik ihres Lebens deutlich.
Buchpräsentation »Meine Lene« mit Peter Ufer Foto: Daniel Förster
Wer war diese Lene Voigt, die einerseits heitere Gedichte und Geschichten schrieb und andererseits unter Wahnvorstellungen litt? Tom Pauls begibt sich in dem Buch auf ihren Lebensweg und legt eine Hommage an die bemerkenswerte Dichterin vor, die ihr Schicksal nicht einfach hinnahm, sondern um ihr Glück kämpfte. So ist diese Biographie eine Liebeserklärung sowohl an Lene Voigt als auch an den Lebensmut der Sachsen und ihren Humor. So hat sie es formuliert: Was Sachsen sind von echtem Schlag, die sind nicht tot zu kriegen.“
Die Ilse-Bähnert-Stiftung, eine gemeinnützige Stiftung, die sich der Erhaltung und Pflege der Sächsischen Kultur und Sprache widmet, präsentiert neben dem im Aufbau Verlag Berlin erschienen Buch eine Ausstellung zu Leben und Werk der sächsischen Dichterin Lene Voigt im Tom-Pauls-Theater Pirna. Die Schau in einem separat eingerichteten Zimmer neben dem Peter-Ulrich-Saal im ersten Obergeschoss ist während der Führungen im Peter-Ulrich-Haus, vor und nach sowie in den Pausen von Vorstellungen zu sehen.
Gezeigt werden alle zusammengetragenen Informationen zum Leben Lene Voigts – Originalausgaben und Reprints und einzigartige historische Fotografien. Per Knopfdruck kann man sich von Tom Pauls Verse vortragen lassen. Blickt man aus dem Fenster, schaut man nicht etwa auf den Pirnaer Marktplatz, sondern wie aus einem der möblierten Zimmerchen der Dichterin auf den historischen Leipziger Marktplatz mit dem alten Rathaus.
Text: Daniel Förster
Bericht im MDR »Sachsenspiegel«
Am Montag, den20. November erschien ein Bericht im MDR »Sachsenspiegel«.
Tom Pauls verdankt der Schriftstellerin Lene Voigt seine beliebteste Figur: Die renitente sächsische Rentnerin Ilse Bähnert. Doch wer war Lene Voigt, die einerseits heitere Gedichte und Geschichten schrieb und andererseits unter Wahnvorstellungen litt?
Ausstellungsbanner zur Lene-Voigt-Ausstellung
Ihr Werk spiegelt ein Jahrhundertleben in Sachsen zwischen Kaiserreich, Nazidiktatur und DDR-Alltag wider. Der Schauspieler begab sich gemeinsam mit dem Autor Dr. Peter Ufer auf ihren Lebensweg und legt nun eine Hommage an die große Dichterin vor.
Als Ergänzung zum Biografie-Buch »Meine Lene« werden in bisher einmaliger Fülle über 30 Fotos, Dokumente und seltene Originalausgaben im 1. Obergeschoss des Peter-Ulrich-Hauses der Öffentlichkeit vorgestellt.
In einer Szenerie, die an die möblierten Zimmer der Dichterin zu deren Leipziger Zeit erinnert, ist Tom Pauls auch mit persönlichen Gedichtvorträgen zu hören. Schautafeln berichten über das tragische Schicksal der Dichterin. Ein Werkverzeichnis und zahlreiche Leseproben zeugen von ihrem unerschütterlichen Humor:
Es ist kein Dasein so arm, daß es nicht doch noch eine Freudenmöglichkeit bereithielte. Wir sehen sie nur mitunter nicht gleich. Die Augen müssen erst vom vielen Weinen wieder ein wenig blank geworden sein.
Lene Voigt
Buchvorstellung und Eröffnung
Die Ausstellung wurde am 19. November um 16 Uhr eröffnet. Die Buchvorstellung fand anschließend im Theatersaal statt.
Die Ausstellung ist geöffnet während der Veranstaltungen im Tom Pauls Theater und im Rahmen von Führungen.
Buch »Meine Lene« kaufen
Tom Pauls: Meine Lene – Eine Liebeserklärung an die Dichterin Lene Voigt
Tom Pauls verdankt der Schriftstellerin Lene Voigt seine beliebteste Figur: die renitente sächsische Rentnerin Ilse Bähnert. Doch wer war Lene Voigt, die einerseits heitere Gedichte und Geschichten schrieb und andererseits unter Wahnvorstellungen litt?
Der Schauspieler begibt sich auf ihren Lebensweg und legt eine Hommage an die große Dichterin vor, die ihr Schicksal nicht einfach hinnahm, sondern um ihr Glück kämpfte. So ist diese Biographie eine Liebeserklärung sowohl an Lene Voigt als auch an den Lebensmut der Sachsen und ihren Humor.
Tom Pauls hat ihren »Glassiggern« zu einer Renaissance verholfen. Er trifft die Schriftstellerin an den Schauplätzen ihres Lebens und lässt sie Begegnungen mit Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Hans Reimann oder Karl Valentin erleben. Er zeigt eine Frau, deren freier Geist und Seelenstärke bis heute beispielhaft sind.
Die llse-Bähnert-Stiftung dankt herzlich allen Spendern für die Unterstützung des Buchprojektes. Mit dem Erwerb eines »Stifterbriefes« oder einer »Fördermedaille«, ermöglichen Sie die Realisierung der Ausstellung und weiterer Projekte.
Stiften Sie mit für unser Buch-Projekt! Die Ilse-Bähnert-Stiftung fördert sächsische Kultur und Sprache
Stifterbrief »De Gogosbalme« und Fördermedaille »Lene Voigt«
Die sächsische Dichterin Lene Voigt begleitet das Leben von Tom Pauls seit 30 Jahren. Er gehört zu den besten Interpreten ihrer Lyrik, präsentiert in Programmen ihre Texte. Diese spiegeln ein Jahrhundertleben in Sachsen zwischen Kaiserreich, Nazidiktatur und DDR-Alltag wider und zeigen das Glück einer Schriftstellerin und den Absturz einer psychisch labilen Frau, die ihr Kind verlor, ihre Ehe scheitern sah, glücklos einem Liebhaber hinterher reiste, deren Texte von den Nazis verboten wurde, die in der Psychiatrie landete, die sie, obwohl genesen, in der DDR nicht mehr verließ.
Die Ilse-Bähnert-Stiftung hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, an der ersten umfassenden Biographie über das wechselvolle Leben der Schriftstellerin zu arbeiten. Dazu ist eine enorme Recherche notwendig, sowohl Archivmaterial als auch Krankenakten und Originaltexte müssen gesichtet werden, Gespräche mit Künstlern und Zeitzeugen sind notwendig, ihre Wohn- und Arbeitsorte müssen besucht werden.
Um der großartigen sächsischen Dichterin ein würdiges Denkmal zu setzen, freuen wir uns über jede Unterstützung. Ihr Spende fließt in das Entstehen dieses Buches. Wir bedanken uns mit der Fördermedaille oder dem Stifterbrief dafür. Herzlichen Dank!
Unser Dank für Ihre Spende
Stifterbrief »De Gogosbalme« (ab einer Spende von 100 EUR)
Exklusiv für die Aktion gestalteter Stifterbrief mit dem illustrierten Lene-Voigt-Gedicht »De Gogosbalme«, mit Autogramm von Tom Pauls
Gerahmt im mit Goldfoliendruck kaschierten Passepartout im Holzrahmen mit Schmuckleiste, Format 21,5 x 31,5 cm
Limitierte Erstauflage 200 Exemplare, von Hand nummeriert.
Fördermedaille »Lene Voigt« (ab einer Spende von 50 EUR)
Exklusiv für die Aktion gestaltete vergoldete Medaille, 35 mm Durchmesser
im Schmucketui mit Medaillenpass und mit einem Autogramm von Tom Pauls
Limitiert auf 200 Exemplare.
Spendenkonto
Bitte überweisen Sie Ihre Spende auf das Stiftungs-Konto:
IBAN: DE83 85050300 3200052375
BIC: OSDD DE81 XXX
Ostsächsische Sparkasse Dresden
Sie können Ihre Fördermedaille oder Ihren Stifterbrief (mit Spendenquittung) gern bei Ihrem nächsten Besuch im Tom-Pauls-Theater abholen. Auf Wunsche senden wir Ihnen beides auch zu.
Neue Skulptur von Jan Witte-Kropius ziert den Brunnen am Untermarkt – Pirnas Marktplatz ist um eine Attraktion reicher geworden.
Die Brunnenskulptur des Künstlers Jan-Witte-Kropius am Pirnaer Untermarkt, Foto: Stadt Pirna
Am heutigen Donnerstag, 23. Juni 2016 schwebte die neue Brunnenskulptur des Künstlers Jan-Witte-Kropius ein, die künftig den Sandsteintrog am Untermarkt ziert.
Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke begrüßte den neuen »Hingucker«:
Heute ist ein toller Tag für Pirna – Unsere Stadt ist um eine Attraktion reicher, die gleichermaßen Besucher und Bewohner einladen soll, die einzelnen Figuren des »Pirnaer Marktschiffes« zu begutachten und in der interessanten historischen Stadtlyrik nachzuforschen. Ich bin mir sicher, dass zahlreiche neue Identitätsbeziehungen zu Pirna entstehen werden und freue mich bereits jetzt über interessante Brunnen-Gespräche.
Klaus-Peter Hanke
Das »Pirnaer Marktschiff«
Für die Brunnenplastik ließ sich Jan Witte-Kropius von Texten eines Büchleins inspirieren, das Dr. Richard Flachs 1918 unter dem Titel »Pirnaer Sagen und Geschichten« herausgegeben hatte. Sie entstammen diversen älteren Publikationen und beziehen sich auf Ereignisse und Personen aus unterschiedlichen Zeiten, die alle einen besonderen Bezug zur Historie der Stadt aufweisen.
Als Ausgangspunkt nutzt der Künstler das Bild eines in Pirna zur Fahrt nach Dresden ablegenden Marktschiffes, wie es in dem genannten Büchlein beschrieben wird. Er bevölkert es mit Figuren aus diesem Gedicht und aus anderen Texten des Büchleins, sodass sich Fantasie mit Realitätsbezügen mischt und ein buntes Geschichts-Panoptikum entsteht.
Einerseits werden Schiffe gern als Symbol für stetige Veränderung im Lauf der Zeiten interpretiert, andererseits verbindet man sie mit dem Gedanken an einen überschaubaren, relativ abgeschlossenen »Lebensraum«.
Die gedrungen-kompakte Gesamtform der Bronzeplastik lässt Vergleiche mit Arche-Noah-Darstellungen aufkommen: Vertreter unterschiedlichster »Spezies« müssen zeitweilig auf engstem Raum koexistieren und bilden eine abwechslungsreich strukturierte Gruppe. Auf dem erhalten gebliebenen Sockelrudiment des einstigen König-Albert-Denkmals platziert der Künstler ein aufgeschlagenes bronzenes Buch mit erklärenden Hinweisen, die die inhaltliche Erschließung der Darstellung erleichtern.
Aus dem Marktschiff-Gedicht stammen Figuren wie der Schiffer, der beim Ablegen »das Brett hereinzieht«, eine Marktfrau, die eine Birne aus ihrem Korb genommen hat und ein Geldstück hineindrückt, um beides Schulkindern zuwerfen zu können, die am Ufer um Unterstützung betteln. Am Bug des Schiffes, den das Pirnaer Wappen ziert, stehen zwei Männer beim Essen, Trinken und Diskutieren; zwei elegant gekleidete Damen am entgegengesetzten Ende des Schiffes tauschen neuesten Klatsch und Tratsch miteinander aus.
Als »Kantor«, der das Morgenlied anstimmt, fungiert schon eine Gestalt, die auch in den Sagen des Buches vorkommt: Peter Bucher von Pirna, ein Barbier, der es bis zum Erzbischof von Mainz gebracht haben soll. Der in Pirna geborene Ablasshändler Johannes Tetzel, Gegenspieler Martin Luthers, und der Pirnaer Bürgermeister Hans Christoph Volckamer, der 1693 nach einem verborgenen Klosterschatz gesucht haben soll, sind weitere historisch belegte Persönlichkeiten.
Komplettiert wird das bunte Figurenensemble durch die zwei Sagengestalten des »Trompeters aus Pirna« und des »Pesthändlers bei Pirna« – Letztgenannter versucht, mit drei Unheil bringende Säcken als blinder Passagier das Schiff zu erklimmen. Liebevolle anekdotische Details wie ein Mäuschen, das sich auf dem Brett vom Schiffer noch mit an Bord ziehen lässt, und eine Katze, die sich im Versteck schon auf ihre leichte Beute freut, ergänzen die Gruppe.
Der Künstler Jan Witte-Kropius
Der Künstler Jan Witte-Kropius lebt im mecklenburgischen Neu Karin, einem kleinen Dorf zwischen Wismar und Rostock. Er ist nicht nur als Bildhauer, sondern auch als Maler und Grafiker tätig. In seinen dreidimensionalen Werken arbeitet er mit unterschiedlichsten Materialien – von Holz über Naturstein bis zum Bronzeguss. Seine künstlerische Ausbildung erhielt der 1959 in Rostock Geborene einerseits durch den persönlichen Kontakt zu den Bildhauern Gisela Roßberg und Reinhard Dietrich, andererseits durch ein Studium in der Fachrichtung Außenraumgestaltung/Stadtbild-Design an der Fachhochschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm, das er 1984 als Diplom-Designer abschloss.
Die Initiatoren des Pirnaer »Marktschiffs«, Foto: Stadt Pirna
Die Initiatoren des künstlerischen Wettbewerbes
Die Initiatoren dieser ungewöhnlichen Kunstaktion waren Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke, der Schauspieler und Gründer der Ilse-Bähnert-Stiftung, Tom Pauls, sowie die Pirnaer Bildhauerin und Galeristin, Christiane Stoebe. Insgesamt 54 Künstler beteiligten sich an dem im letzten Jahr ausgerufenen Wettbewerb. Das gesamte Vorhaben konnte durch Sponsoren finanziert werden.
Text: Thomas Gockel, Leiter Öffentlichkeitsarbeit, Presseinformation Nr. 2016-116